Kommunalwahl Stadt Eichstätt

Fragen des Jurahausvereins: Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie das Wort „Jurahaus“ hören?
Josef Grienberger, CSU Heimat!
Christian Alberter, SPD Mit einem Jurahaus verbinde ich zunächst die typische Hausform und -art für unsere Gegend. Einige Freunde und Bekannte von mir haben in den vergangenen Jahren ein Jurahaus saniert und etwas Wunderschönes geschaffen. Leider verbinde ich damit auch hohe Sanierungskosten und das berühmte "Fass ohne Boden" im Bereich der Baukosten und viele Restaurierungsregularien. Dies stellt für viele ein Hemmnis dar, sich an ein Jurahausprojekt zu wagen.
Martina Edl, FW Denkmal, Legschieferdach, Bruchstein, Fachwerk, Einzelofen, ortstypisch, nachhaltig, historisch, Eichstätt und Altmühltal.
Klaus Bittlmayer, Grüne  Kurze Dächer, mein Ferienjob bei der Renovierung des „Paradeis“, mein Onkel und weitere Personen.
Maria Lechner, ÖdP Für mich ist Eichstätt „die Hauptstadt des Jurahauses“. Das Jurahaus muss bei allen Denkmaldiskussionen wertgeschätzt werden.
Manfred Dier, BP Da ich als gebürtiger Eichstätter in einer Region aufgewachsen bin, in der Jurahäuser fest zum Straßenbild in unserer Heimat gehören, wie die Wacholderheide in das Altmühltal, müssen die noch vorhandenen unbedingt erhalten werden.

Welche Bedeutung sollen in Ihrer künftigen Arbeit folgende Themen haben:

-Erhalt historischer Bausubstanz

-Maßnahmen gegen deren Verfall

-die Altstadt

Josef Grienberger, CSU Unsere historische Bausubstanz ist Sinnbild unseres kulturellen Erbes in der Stadt und trägt wesentlich zur Einzigartigkeit unserer Stadt bei. Sie schafft eine Besonderheit, die gut für unsere Bürgerinnen und Bürger ist, aber vor allem auch Touristen anzieht. Was erhalten werden kann, soll erhalten werden. Mir ist bewusst, dass der Stadt insoweit die Hände gebunden sind, da es sich stets um privates Eigentum handelt und somit Instandhaltung und Sanierung in der Verantwortung des Eigentümers liegen. Wir haben aber die Möglichkeit, dass durch unkompliziertes, verständnisvolles und pragmatisches Behandeln von Bauanfragen geholfen werden kann. Ebenfalls kann die Stadt Brücken bauen zu Fördergeldern und mit fachlicher Beratung unterstützen. Dabei sollte die Stadt auch proaktiv auf Eigentümer zugehen.
Christian Alberter, SPD

Lebendige Innenstädte sind Stätten der Begegnung, die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar sind. In einer globalisierten Welt, die immer schnelllebiger ist, suchen die Menschen nach Halt. Nicht zufällig hat der Begriff „Heimat“ aktuell Konjunktur. Ein Stadtbild, das die Heimat symbolisiert, ist also viel mehr als eine Attraktion für Touristen. Sie sind auch Politik für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für den die SPD steht.

Für unsere Stadt stellt die vorhandene Bausubstanz einen wichtigen geschichtlichen und kulturellen Faktor dar. Daher müssen wir als Stadtverwaltung daran hinarbeiten, diese für die Nachwelt zu erhalten. Zunächst müssen wir uns als Stadtverwaltung dieser Rolle bewusst werden und dies für unsere Immobilien anwenden. Die Sanierung des Rathauses, von vielen als zu teuer verschrien, sehe ich als ein wertvolles und gelebtes Beispiel für diesen Erhalt. Als Maßnahmen gilt es, transparenter als bisher die Möglichkeiten aufzuzeigen, welche Unterstützung, in beratender aber vielmehr noch finanzieller Art, ein Immobilienbesitzer haben kann, um sein Denkmal zu sanieren. Zusätzlich gilt es zu beraten und zu begeistern, sich an eine Denkmalsanierung zu wagen. Der frühere Stadtbaumeister Dischinger hat einige sehr sinnvolle Ansätze, wie zum Beispiel den Denkmalabend, gestartet. Leider wurden die Aktivitäten wieder eingestellt. Aber hier dürfte sicherlich ein Potential vorhanden sein, die Öffentlichkeit für diese Belange zu sensibilisieren.

Alles in allem möchte ich als Oberbürgermeister mit aktivem und persönlichem Engagement auf Immobilienbesitzer zugehen und sie im regelmäßigen und guten Austausch auf Fördermöglichkeiten und Unterstützung, aber auch auf den Wunsch der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger hinzuweisen, dass historische Gebäude, gerade in der Innenstadt saniert werden sollen. 

Im Falle von Neubauten stehe ich für eine moderne Architektur, die einen guten und sinnvollen Kontrast zu unserer historischen Bausubstanz herstellen soll.

Martina Edl, FW

• Erhalt historischer Bausubstanz

Schon allein aufgrund meiner beruflichen Ausrichtung als Architektin mit Aufbaustudium Denkmalpflege ist mir der Erhalt der historischen Substanz sehr wichtig. In diesem Bereich arbeite ich seit mehr als 25 Jahren. Zudem sind wir ein historische und eine Barockstadt, worauf wir stolz sind, daher muss diese Thema eines der zentralen werden.

• Maßnahmen gegen deren Verfall

Gespräche mit den Besitzern von Denkmälern und sonstiger erhaltenswerter Bausubstanz zur Erhöhung der Wertschätzung der Häuser. Da die Gebäude zumeist in Privatbesitz sind, geht kein Weg an dieser Vorgehensweise vorbei. Auf jeden Fall aber Aufklärung über die vielfältigen Möglichkeiten der Städtebau- und sonstiger Förderungsmöglichkeiten. Es gibt bereits wirklich viele Zuschussgeber. Möglicherweise auch Schaffung von finanziellen Anreizen durch die Stadt, dies aber abhängig von Haushaltslage.

• die Altstadt

Wichtiges Pfund, mit dem wir wuchern müssen. Egal in welchem Zusammenhang: Tourismus, Einzelhandel, Wohnen. Der Tourismuskonvent der Uni IN-EI hat ergeben, dass wir hier noch ein großes Potential vorzuweisen haben, das derzeit ungenutzt vor sich hin schlummert.

Klaus Bittlmayer, Grüne

a) Die historische Bausubstanz ist prägend für Eichstätt und unsere Region - unbedingt zu schützen und zu erhalten.

b) Die beste Maßnahme gegen den Verfall sehe ich in einer Nutzung der Gebäude, sei es privat oder öffentlich, sei es als Wohnraum, Büro oder Geschäft. Bei öffentlichen Gebäuden ist dabei die Schaffung von barrierefreien Zugängen wichtig, das sichert eine langfristige Nutzung und damit den Erhalt der Gebäude. (z.B. Sanierung Rathaus)

c) Die Altstadt ist der zentrale Mittelpunkt Eichstätts, ein "Lieblingsort", der etwas Pflege und Zuwendung im Sinne von Barrierefreiheit, Verkehrsberuhigung (autoreduziert), Erreichbarkeit bedarf.

Maria Lechner, ÖdP

• Erhalt historischer Bausubstanz: wir müssen aktiv über die möglichen Förderungen beraten mit allen Bürgern im Besitz historischer Bausubstanz, z.B. über das Legschieferdach-Programm des Landkreises (alljährlich werden nicht alle Fördermittel ausgeschöpft)

• Maßnahmen gegen deren Verfall: Die Stadt muss aktive Kaufvermittlung betreiben und Kooperationen verschiedenster Art vorantreiben.

• die Altstadt: Umsetzung der vorhandenen Gestaltungssatzung. Dies ist bisher nur nachlässig geschehen.

Wo sehen Sie in Eichstätt besonderen Handlungsbedarf?  
Josef Grienberger, CSU Insbesondere im Bereich der Altstadt gibt es sanierungsbedürftige und erhaltenswerte historische Substanz, die auch einen Teil des vermeidlichen Leerstands ausmacht. Hier müssen wir mit Hochdruck versuchen, die Eigentümer im Rahmen der Möglichkeiten zu unterstützen, insbesondere mit einer offenen und ehrlichen Kommunikation.
Christian Alberter, SPD

Den Handlungsbedarf sehe ich im Verfall von vielen Gebäuden gerade im Bereich der Innenstadt. Wie in Punkt 2 beschrieben muss dieser mit einem persönlichen Engagement des Oberbürgermeisters und dem regelmäßigen Kontakt mit dem Immobilienbesitzer angegangen werden. 

Weiteren Handlungsbedarf sehe ich in der zu verbessernden Transparenz der Fördermöglichkeiten für Denkmalobjekte.

Da die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen also begrenzt sind, werde ich als Oberbürgermeister aktiv und engagiert über den Bayerischen Städte- und Gemeindebund und sein Pendant auf Bundesebene dafür kämpfen, die Bedingungen für die kommunale Ebene zu verbessern. Außerdem sehe ich hier auch den Kreis in der Pflicht, der sich für den Erhalt des historischen Erbes durchaus stärker ins Zeug legen könnte.

Martina Edl, FW In der Stadtplanung ganz allgemein. Dazu gehört die Schaffung von Gewerbe- und Baugebieten (wonach Sie jetzt aber sicher nicht gefragt haben), die Nachverdichtung der Innenstadt, ein Verkehrskonzept für die Innenstadt und das Umland, die interkommunale Zusammenarbeit, das Kümmern um die Bewohner in der Stadt mit ihren vielfältigen und unterschiedlichen Anforderungen an Wohnen und Leben in einer Stadt.
Klaus Bittlmayer, Grüne

Handlungsbedarf sehe ich bei einigen sozial- und kulturpolitischen Themen, wie Jugendarbeit, Inklusion, Integration, Jugendarbeit, (Senioren)Pflege, Kulturförderung, Attraktivität der Innenstadt, etc.

Darüber hinaus: Barrierefreiheit, bessere Fuß- und Radwege, Anbindung aller Ortsteile mit Fuß- und Radwegen, Schaffung von Aufenthaltsqualität für alle Altersgruppen.

Maria Lechner, ÖdP

Maßnahmen wie unter 2 beschrieben, soweit die Stadt Eichstatt Eigentümer eines Jurahauses ist, muss sie mit bestem Beispiel bei der Sanierung voran gehen.

Manfred Dier, BP Erhaltenswert sind aber nicht nur Jurahäuser, sondern natürlich auch die sonstige historische Bausubstanz in Eichstätt. Und hier gibt es doch einiges, das in Angriff genommen werden müsste. Ich denke da zum Beispiel an das Ensemble am Zwinger.
In Eichstätt stehen zahlreiche Gebäude, Wohnungen und Gewerberäume leer, teilweise verfällt die Bausubstanz. Es gibt derzeit kein effektives Leerstandsmanagement gegen den Verfall, obwohl es geeignete politische und finanzielle Instrumente gibt, um Leerstände zu beheben. Welche möchten Sie anwenden?
Josef Grienberger, CSU Wenn es hier neben den bereits angewandten Mitteln wie oben beschrieben weitere gute Ideen von Ihrer er Seite gibt, um die Problematik zu beheben, wäre ich als OB sehr dankbar für weitere Erläuterungen und Ihren Input. Um die Innenstadt zu erhalten und zu beleben müssen wir alle gemeinsam mitanpacken. Aus meiner Sicht ist es aber essenziell den Tourismus weiter zu stärken um damit mehr Menschen in die Innenstadt zu bekommen und somit mehr Nachfrage zu generieren. Dies stärkt die vorhandenen Geschäfte und zieht möglicherweise neue an.
Christian Alberter, SPD

Ich bin mir nicht sicher, ob wir in diesem Fall vom gleichen reden, aber die Stadt Eichstätt leistet sich derzeit eine Mitarbeiterin die sich mit dem Thema Leerstände, gerade im Innenstadtbereich beschäftigt. Nun möchte ich keinen Hehl daraus machen, dass die Wiederansiedlung von Einzelhandel in den Innenstädten einen Kraftakt darstellt in Zeiten von Amazon, Zalando und co. 

Was mir fehlt ist auch hier wieder der Begriff "Transparenz". Welche Strategie verfolgt die Stadt, um den Einzelhandel in der Innenstadt zu stärken und besonders die Frage "Wie soll unsere Innenstadt in Zukunft aussehen?". Für letzteres sehe ich ganz klar den Auftrag, mehr Lebensqualität in die Innenstadt zu bringen. Dies umfasst auch die Sanierung von alten und leerstehenden Gebäuden.

Neben der Ansiedlung von Einzelhandel gilt es auch für den Innenstadtbereich Kleinflächengewerbe in leerstehende Büroflächen zu bringen. Hier möchte ich zunächst eine Referentenstelle von 60% mit dem Thema Wirtschaftsförderung betrauen. 

Ein Programm zur Innenstadtförderung existiert seit Dezember 2019 und wurde federführend durch die SPD Fraktion eingebracht. Sehr gerne tausche ich mich mit Ihnen aus mit dem Ziel, weitere Ansätze für die Behebung unserer Leerstände zu finden.

Martina Edl, FW Es gibt Frau Michel, die derzeit für den Bereich Standortmanagement eingestellt ist. dazu gehört auch das Leerstandsmanagement und daher fallen die leerstehenden Gebäude in ihr Resort. Wie gut oder wie intensiv sie sich kümmert kann ich leider nicht genau sagen, gehe aber davon aus, dass sie ihren Job macht. Politische Instrumente sind Kümmerer, finanziellen Instrumente gibt es natürlich bereits durch Existenzförderrichtlinien, die besonders in der Innenstadt mit attraktiven Zuschüssen greifen. Um hier noch mehr Aussage treffen zu können müsste ich tatsächlich alle Rahmenbedingungen genau prüfen können und da ist nur dem OB bzw. der Verwaltung möglich.
Klaus Bittlmayer, Grüne

Es lässt sich sicher an dem, was und wie die Stadt Eichstätt das Leerstandsmanagement angeht, das eine oder andere verbessern. 

Was getan werden kann ist Beratung, Kontaktaufnahme, Vermittlung, Vernetzung, Fördermittelakquise, Öffentlichkeitsarbeit, Projekte, Veranstaltungen usw. Welche geeigneten politischen und finanziellen Instrumente, die von der Stadt Eichstätt angewendet werden können, meinen Sie? Mich würde das wirklich interessieren. In meiner Wahrnehmung laufen Aktivitäten, Bemühungen ab einem bestimmten Punkt leider ins Leere. 

Ich würde mir z.B. die Möglichkeit einer Besteuerung von Leerständen, egal ob Wohnraum oder Verkaufsraum, wünschen - Eigentum verpflichtet.

Maria Lechner, ÖdP Ähnlich wie beim Leerstandsmanagement brauchen wir ein Wohnungsleerstandsmanagement, incl. Beratung für Klein-Investoren, um mögliche Bauherren zu ermutigen. Dabei sollte die Stadt selbst aktiv v.a. auf Gebäudeeigentümer mit historischer Bausubstanz zugehen und Unterstützung anbieten.
Manfred Dier, BP

Die Situation der Eigentümer gestaltet sich in zweierlei Hinsicht schwierig. Zum einen gibt es teils sehr strenge Auflagen seitens des Denkmalschutzes und zum anderen muss richtig viel Geld in die Hand genommen werden. Wie könnte der Eigentümer erhaltenswerter Bausubstanz unterstützt werden? Man könnte durch weniger strenge Auflagen die Renovierungskosten senken und den Eigentümer mit massiver finanzieller Förderung durch die öffentliche Hand entlasten. 

Ein weiterer Aspekt ist die Nachrenovierung. Wird zum Beispiel eine Lüftlmalerei renoviert, wird der Besitzer auch finanziell unterstützt. Nach ca. 20 Jahren ist aber wieder eine Nachrenovierung fällig. Diese Folgekosten sind meines Erachtens leider nicht mehr förderungsfähig. 

Zu den Leerständen möchte ich eine Anmerkung loswerden. In Eichstätt haben viele Vermieter eine überzogene Vorstellung bezüglich der Miete. Und es ist leider so, dass viele Eigentümer ihre Objekte lieber leer stehen lassen, als die Miete etwas zu reduzieren. Da ist die Stadtverwaltung in der Pflicht moderierend einzugreifen.

Der Jurahausverein hat als Nutzung leerstehender historischer Gebäude immer wieder zusammengehörende Hoteleinheiten („Alberghi sparsi“) vorgeschlagen, bisher ohne Resonanz. Was ist Ihre Position dazu?
Josef Grienberger, CSU Das Konzept ist mir bekannt und ja in vielen anderen Orten bereits ein Erfolg. Es darf keine Denkverbote geben und man muss immer den Mut haben neue Konzepte zu testen.
Christian Alberter, SPD In dem Moment, wo wir als Stadt auf die Immobilienbesitzer zugehen werden gilt es, ein möglichst breites Angebot an Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Daher ist dies eine gute Gelegenheit, auch den Vorschlag des Jurahausvereins aufzunehmen. Sehr gerne auch weitere Vorschläge und Nutzungsansätze.
Martina Edl, FW Die Idee gefällt mir. Für den Fall, dass sich einige Hausbesitzer zusammentun, eine äußerst charmante Idee. Wie sie umzusetzen ist fällt mir derzeit noch nicht ganz konkret ein, aber es wäre sicher ein Anfang, zu diesem Thema die Hausbesitzer einzuladen, um konkrete Ziele und Wünsche dahingehend zu besprechen. Immer in der Hoffnung, dass sich ausreichend Hausbesitzer von dieser Idee erwärmen lassen.
Klaus Bittlmayer, Grüne

Ja, warum denn nicht?

In Eichstätt gibt es nach wie vor einen Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten. Auch wenn das neue Hotel bald in Betrieb geht, ich gehe davon aus, dass auch dann noch Bedarf an differenzierten, interessanten Übernachtungsmöglichkeiten besteht. Die Nutzung verschiedener Gebäude ermöglicht neben einer Standartunterkunft sicher auch außergewöhnliche, originelle Beherbergung. Super wäre es, wenn bei so einem Konzept auch eine Vernetzung mit lokalen, regionalen Vermarktern einhergeht. Am liebsten in Bio-Qualität und in Kooperation mit örtlichen Biobauern, dem neuen Unverpacktladen, der Weltbrücke, FairEint usw. - nachhaltiger Tourismus in historischen Gebäuden. Immerhin sind wir fairtrade Stadt.

Stellt sich aus meiner Sicht nur die Frage nach den Betreiber*innen einer solchen Einrichtung.

Wie wäre es denn mit der Gründung einer Genossenschaft? Würde der Jurahausverein so eine Idee unterstützen und aktiv mit umsetzen? 

Es gibt gerade ja aktuelle Beispiele: Unverpacktladen und Bahnhof lebt.

Maria Lechner, ÖdP Leider sind wir als Stadträte nie über diese Vorschläge informiert worden Solch innovative Ansätze kommen mir sehr entgegen. Ich würde sie gerne in Kooperation mit dem Jurahaus-Verein e.V. angehen und nach Investoren/Anbietern  für die Umsetzung suchen.
Möchten Sie uns sonst noch etwas mitteilen?
Josef Grienberger, CSU Danke für Ihr ehrenamtliches Engagement! Nur wenn viele sich um das Wohl unserer Stadt bemühen und mit kreativen Ideen und Einsatz miteinbringen, können wir gemeinsam das Potential unserer Stadt entfalten.
Christian Alberter, SPD Mein Wahlspruch lautet "Mensch und Politik zusammengebracht". Genau das möchte ich auch im Bereich der Denkmalsanierung erreichen und biete ihnen einen guten Austausch an. Ich würde mich freuen von Ihrer Erfahrung als Experten profitieren zu können.
Martina Edl, FW

Machen Sie so weiter wie bisher. Ihr Engagement gefällt mir, ich bin froh und glücklich, dass es in der Stadt Eichstätt Menschen gibt, die sich den Jurahäusern einfach aus Sympathie für diese Gebäude annehmen. Davon brauchen wir mehr. 

Und sorgen Sie dafür, dass Ihre Anliegen Gehör finden und die Bevölkerung die sanierten Häuser als wahre Schätze wahrnimmt.

Klaus Bittlmayer, Grüne Vielen Dank für euer / ihr Engagement, die Hartnäckigkeit und die Kompetenz!!
Maria Lechner, ÖdP

Ich freue mich, dass es den Jurahaus-Verein gibt, der durch das Jurahaus-Museum in der Rot-Kreuz-Gasse Eichstätt überörtlich und international die Bedeutung dieser historischen Denkmäler aufzeigt, hervorhebt und dieser ein konkretes Gesicht gibt.

Danke für Ihr Engagement!

Manfred Dier, BP Wir von der Bayernpartei stehen unter anderem für Tradition und Brauchtum. Und dafür setzen wir uns auch ein. Die Bauform des Jurahauses hat sich über viele Jahrhunderte fast nicht verändert und ist schützenswertes Bayerisches Kulturerbe, das es zu erhalten gilt. 

 

Zusatzfrage praktische Erfahrungen OB-KandidatInnen

Im Rahmen einer Zusatzfrage haben wir die Fragenliste um den Bereich der praktischen Erfahrungen ergänzt.

Bei Kandidaten, bei denen wir bereits mit Maßnahmen in irgendeiner Weise befasst waren, haben wir die Frage objektbezogen formuliert.

Haben Sie bereits konkrete Erfahrung mit Erhalt, Vernachlässigung oder Abbruch eines historischen Gebäudes, sei es in privater oder amtlicher Funktion?
Christian Alberter, SPD

Privat habe ich bereits negative Erfahrungen mit dem LfD im Jahr 2005 gehabt. Damals wollten meine Frau und ich ein altes Bauernhaus sanieren, haben jedoch einen Negativbescheid vom LfD erhalten, so dass wir nicht in der Lage waren, eine Sanierung anzugehen.

Derzeit bin ich in Gesprächen zum Erwerb und zur Sanierung eines möglichen Objekts.

Beruflich habe ich in den vergangenen Jahren ein vollständiges Sanierungskonzept für die Malteser Diözesangeschäftsstelle am Pater-Philipp-Jeningen-Platz (bekannt als Döbler-Haus) in Eichstätt erarbeitet.

Dabei konnte ich sehr deutlich die unterschiedlichen Herangehensweisen der Referenten des LfD kennenlernen. 

Mit Herrn Jumpers konnte ein guter Ansatz erarbeitet werden, eine mögliche Sanierung anzugehen.

Nachdem wir als gemeinnütziger Verein keine Sonderabschreibungen in Anspruch nehmen können und die Fördersumme auf lediglich 10 TEUR belief, wurde dieses Vorhaben nicht weiterverfolgt.

Gerade aus diesen Erfahrungen konnte ich ein sehr klares Bild zum Umgang und zur Beratung mit denkmalgeschützten Gebäuden entwickeln.

Josef Grienberger, CSU Ich wohne auf unserem Bauernhof in Wintershof in unserem Haus, welches 1889 errichtet wurde. Aus den hier durchgeführten Umbauarbeiten insbesondere durch meine Eltern (Sandstrahlen alter Balken, Freilegen von Gewölbe, Wiederverwertung alter Hölzer, Erneuerung alter Gerätschaften wie Rückeschlitten) habe ich einen Einblick erhalten, wie aufwendig, schwierig, kostspielig, aber insbesondere schön es sein kann, wenn man alte Bausubstanz erhalten kann.
Maria Lechner, ÖdP

Mein Großelternhaus ist um 1700 erbaut und steht aktuell leer. Hier ringt gerade die Familie meiner Schwester, die dieses Haus geerbt hat, mit dem Erhalt, bzw. dem Schutz bis jemand gefunden ist, der/die Möglichkeit hat, es zu sanieren. Da bin ich emotional und mitdenkend dran.

Ich arbeite in einem historischen Gebäude: Mein Büro hat eine Gewölbedecke, eine historische Tür, wie Fußboden und ich kenne die praktischen Konsequenzen für den Alltag. - Und ich fühle mich darin sehr wohl.

Mein Bruder hat eine alte Mühle und die anschließenden Wirtschaftsgebäude saniert, eine andere Schwester einen alten Bauernhof. Ich kenne damit das Thema gut, habe aber selbst noch keine Sanierung gestemmt.

Klaus Bittlmayer, Grüne Ferienjob bei der Sanierung des „Café Paradeis“
   
Sie sanieren derzeit ein eigenes Jurahaus am Frauenberg. Die Außengestaltung und Kubatur weichen trotz des Ensembleschutzes deutlich von der bisherigen Form ab und werden von Anliegern als deutlich überdimensioniert empfunden.
Martina Edl

Mein Mann saniert das Gebäude Frauenberg 23 für unsere Tochter, er ist der Bauherr.

Die Gaube war bereits in der Breite im Bestand enthalten, wir haben sie nur über einen Anbau aus den 70-er Jahren verlängert.

Diese Vergrößerung ist bereits 2018 genehmigt worden. Das Landesamt wurde beteiligt und hat dem Antrag zugestimmt.

Eine Begehung des Landesamtes mit der Stadtheimatpflege hat auf Veranlassung unserer Nachbarn vergangene Woche stattgefunden, die Stellungnahme steht noch aus, wird aber positiv ausfallen.

Ich weiß, dass Anlieger die Gaube nicht gern sehen, was mir auch herzlich leidtut, aber unsere Tochter möchte in diesem Haus wohnen und Kinder bekommen, und daher braucht sie zumindest ein Minimum an Platz.

Durch den Umbau erhalten wir eine Wohnfläche von 75 m² inklusive des großen Flurs im EG. Das größte Zimmer hat eine Fläche von 13,95 m². Es sieht weit größer aus als es ist. Der Anbau aus den 70-er Jahren hat auch seine Berechtigung, weil er einen Abschnitt in der Geschichte des Hauses darstellt und die Lebensgeschichte des Gebäudes dokumentiert. Und nur durch eine Sanierung, die übrigens mit ökologischen und weitgehend bauzeitlichen Materialien wie Holz und Lehm erfolgt, wird ein Jurahaus wieder attraktiv und gut nutzbar.

Wir fertigen Holzfenster, das Dach wird mit Biberschwanzziegeln gedeckt, wir verschönern das Haus mit hohem finanziellem und persönlichem Einsatz. Vorher war es ein Messihaus und ein Schandfleck in der Umgebung.